Die Koke-Mühle – ein Wahrzeichen von Rancagua
El molino Koke de Rancagua es más que un simple edificio industrial: cuenta la historia de una familia que llegó a Chile desde Lingen, Alemania, y que, con esfuerzo y espíritu emprendedor, construyó un molino. Este molino marcó la vida económica y social de Rancagua a lo largo de generaciones. Fuhr man in jenen Tagen, als der «Rápido» noch frühmorgens in den Süden unseres Landes eilte und der Zug kurz in Rancagua hielt, dann mochte manchem halbverschlafenen Fahrgast die großen Silos am Bahnhof auffallen, die stolz als «Molino Koke» den Namen des Unternehmens trugen.
Koke war ein Begriff in Rancagua, sogar heute noch zeugen der Name einer Straße und der eines Parks in Rancagua von der Bedeutung eines Unternehmens, das um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert maßgeblich zur Entwicklung der Stadt beigetragen hat, denn von einem nahen Kupferabbau wie heute war damals noch keine Rede.
Vielleicht mag der Name Koke Fragen aufwerfen, klingt er doch ein wenig ungewohnt. Nun, da darf der Chronist nachhelfen: So ist doch der Name Koke im nordwestlichen Raum des Landes Niedersachsen, dicht an der Grenze zu Holland, recht verbreitet. In der mittelgroßen Stadt Lingen an der Ems treffen wir Kokes als Kaufleute und Gewerbetreibende.
Schon vor mehr als 100 Jahren gab es dort Mühlenbesitzer, und so darf man die Frage stellen: Wie gelang ein Müller Koke aus Lingen zu einer Mühle im fernen Rancagua? Auf in ein fremdes Land Es geschah im September 1877. In Antwerpen – Antwerpen liegt näher an Lingen als die deutschen Häfen Bremen und Hamburg – bestieg Friedrich Koke Junior, ältester Sohn des Lingener Mühlenbesitzers Friedrich Koke, den Dampfer des Holländischen Lloyd nach Aspinwall, bis 1890 der Name des heutigen Colón.
In seinen Händen hielt er eine Einladung des Ehepaars Lanz aus Santiago de Chile. Aspinwall war nur Zwischenstation, von dort ging es weiter mit der Panama-Railway zum Hafen Panama am Pazifik, wo der Dampfer «Potosi» der Pacific Steam Navigation Company (PSNC) vor Anker lag. «Potosi» übernahm die Weiterbeförderung an der Westküste Südamerikas bis nach Valparaíso.
Das alles war durchweg gut organisiert und verlief reibungslos; sogar die Post war in jener Zeit von Valparaíso nach Lingen über Panama und Liverpool rund vier Wochen unterwegs. Wie zuvor brieflich verabredet, wurde Friedrich in Valparaíso vom Ehepaar Lanz herzlich empfangen und zu seinem neuen, noch unbekannten Aufgabengebiet in der Estación Linderos geleitet. Linderos war damals noch kein selbstständiger Ort, lediglich eine Bahnstation.
Familie Lanz, befreundet mit der Familie Koke aus Lingen, war vor Jahren über die USA nach Chile gelangt und irgendwie – es ist anzunehmen über Frau Cristina Leiva, eine gebürtige Chilenin – in den Besitz der Mühle gekommen. Ihr fehlten allerdings die fachlichen Kenntnisse für den Betrieb. Friedrich, in der Lingener Mühle groß geworden, machte sich an die Arbeit.
Mit dem Fleiß und der Beharrlichkeit, stets Eigenschaft der Familie Koke, gelang es ihm, die halbwegs stillgelegte Mühle in der Estación Linderos in ein wirtschaftliches Unternehmen zu verwandeln, das Gewinne abwarf. Seine Beteiligung am Gewinn, später die Pacht der Mühle, gestatteten es Friedrich, nach sechs Jahren die kleine Mühle eines Herrn Lachowsky am Rande der Stadt Rancagua zu erwerben. Diese Mühle verfügte über bislang unbeachtete Vorteile: Sie besaß einen eigenen hydraulischen Antrieb, gespeist aus dem Kanal San Pedro, und einen eigenen Gleisanschluss vom Bahnhof Rancagua.
Erinnern wir uns doch daran, dass in jenen Tagen die Eisenbahn das einzige Beförderungsmittel in der Welt und ganz besonders in Chile war; Straßen, geschweige denn Lastwagen und andere Transportmöglichkeiten, gab es nicht. Also wurde Getreide in Eisenbahnwagen angeliefert und als Mehl ebenso abgefahren. Reise nach Deutschland Rasch entwickelte sich die «Molino Koke» in Rancagua zu einem Unternehmen, das in der Stadt Geschichte schreiben sollte.
Allein, es kamen die Tage, an denen Friedrich weiterdachte. Er erinnerte sich einer Jugendliebe, nämlich des verehrten Fräuleins Maria Klasing, und reiste kurzerhand nach Deutschland. Wie zu erwarten war: Die Reise endete mit einer Verlobung, Friedrich kehrte aber erst einmal als «Single» auf dem Dampfer «Potosi» der PSNC am 20.
November 1892 nach Chile zurück. Die Mühle brauchte ihn. Umgehend begann er mit den Vorbereitungen der Reise seiner zukünftigen Frau, was damals nicht sehr einfach war.
Unverheiratete, alleinreisende Frauen wurden, zumindest laut Gesetz, in Chile nicht an Land gelassen. Doch wie schon seinerzeit üblich, fand man eine Lösung. Dreimal geheiratet – wenn das nicht allen Widrigkeiten trotzt Maria Klasing traf ein Jahr später, im November 1893, auch auf der «Potosi» in Valparaíso ein.
Um überhaupt von Bord gehen zu können, vollzog der Kapitän eine erste Trauung – dazu war er ermächtigt. Es folgte ein paar Tage später, am 8. Dezember 1893, die zweite Hochzeit in der evangelischen Kirche.
Diese war damals provisorisch hinter der alten Deutschen Schule (Santiago, Almirante Barroso) untergebracht. Und zu guter Letzt erfolgte die dritte Trauung am folgenden Tag in der Municipalidad Rancagua, denn wenige Jahre zuvor waren Standesämter in Chile eingerichtet worden. Es lag Maria fern, als Ehefrau eines erfolgreichen Unternehmers dem Wachsen der «Mühle Koke» untätig zuzuschauen.
Unter ihrer Leitung entstanden für damalige Verhältnisse vorbildliche Wohnungen für Mitarbeiter der Mühle. Es wurde ein Garten mit einem kleinen See angelegt, der sich später zum Koke-Park entwickelte. Sie war jedenfalls tagaus, tagein beschäftigt, um auch äußerlich dem Betrieb eine freundliche Atmosphäre zu verleihen.
In jenen Jahren kam richtig Schwung in den Mühlenbetrieb. Neue Maschinen verbesserten Produktion und Qualität, eine angeschlossene Konservenfabrik verarbeitete Obst aus dem ländlichen Umfeld. Man kann wohl sagen, dass die Jahre bis zum Tod des Gründers Friedrich im Jahre 1924 zu den erfolgreichsten des Unternehmens «Molino Koke» zählten.
Die nächste Generation der Koke-Mühle Maria Koke, geboren Klasing, schenkte ihrem Mann Friedrich zwei Kinder: Friedrich und Blanca. Die rasche Entwicklung Chiles in den Jahren nach 1900 gab zu bedenken, die zukünftige Leitung des Betriebes nicht nur einem Fachmann im Mühlengeschäft zu überlassen, sondern auch moderne wirtschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen. So beschloss Vater Friedrich Koke vorausschauend, Sohn Friedrich zum Studium der Wirtschaftswissenschaften nach Deutschland zu senden.
Dieser immatrikulierte sich an der Universität Marburg, überstand als Student die harten Jahre des Ersten Weltkrieges und schloss mit der Promotion zum Dr. rer. pol.
ab. Noch in Deutschland heiratete er Alwine Arendt, Tochter eines rheinischen Industriellen, kehrte mit ihr nach Chile zurück und übernahm im Jahr 1924 nach dem Tode seines Vaters die Leitung des Unternehmens in Rancagua. Seine Schwester Blanca, ebenfalls nach Deutschland entsandt, heiratete in zweiter Ehe den Kapitän zur See, den deutschen Marineoffizier Friedrich Frisius, der später im Zweiten Weltkrieg bis zum Admiral aufstieg.
Doch zurück zum Unternehmen Koke. Nach dem Tode des Dr. Friedrich Koke Klasing im Jahre 1951 wäre es Aufgabe seines ältesten Sohnes Friedrich Koke Arendt gewesen, die Leitung zu übernehmen.
Leider verstarb dieser im frühen Alter von 19 Jahren, sodass seinem Bruder Bernhard die Aufgabe zufiel, das inzwischen umfangreich gewordene Unternehmen auszubauen und weiterzuführen. Mühle, Nebengebäude, Wohnhäuser, Park, landwirtschaftlicher Besitz und was sonst noch dazugehörte, beanspruchten inzwischen einen Raum, der, von der Stadt Rancagua aus betrachtet, jenseits des Bahnhofs beträchtlichen Umfang angenommen hatte. Aus dem Fenster eines vorbeifahrenden Zuges hinterblieb dem Reisenden jedenfalls ein bleibender Eindruck, der stolz den Namen Koke barg.
Das Ende kam – doch ein wenig überlebte Es blieb dem Nachfolger Bernhard Koke Arendt vorbehalten, im Jahre 1964 den gesamten Besitz zum Verkauf auszuschreiben, aus Gründen, die heute nicht mehr nachvollziehbar sind. Für den Mühlenbetrieb fand man einen Interessenten aus der Branche der Bäcker; andere Besitzstücke überlebten verteilt, einige auch in der Familie. 1964, es war das Jahr, in dem das Industrieimperium Koke in Rancagua sein Ende fand.
Den Namen finden wir aber noch heute in der Avenida Koke, dem Park Koke, einer neuen Siedlung Koke und an den Silos am Bahnhof. Koke bleibt lebendige Geschichte in Rancagua.
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